Besteigung des FSJ-Kultur-Berggipfels

Projektbericht Marina Babl, Freiwillige 13/14 in der Stadtbücherei am Salzstadel, Rosenheim

Ein bisschen wie ein Berggipfel erscheint das eigenverantwortliche Projekt, das fester Bestandteil des FSJ Kultur ist: Manchmal bedrohlich vor einem emporragend, manchmal strahlend im Sonnenlicht, manchmal komplett von Wolken verdeckt und dabei doch leise und einladend flüsternd. Aber egal, ob Überforderung, Orientierungslosigkeit und Müdigkeit den Weg nach oben erschweren – Ziel ist es, während der zwölf Monate in der Einsatzstelle diesen Berg zu erklimmen. Seit knapp zwei Wochen stehe ich nun oben auf dem Berggipfel „Projekt“ und schaue mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach unten.

berggipfel

Projekt-Gipfel

 

Vorbereitung: Anstrengung, Spaß und Aufregung

Seit gut sieben Monaten absolviere ich mein FSJ in der Stadtbibliothek Rosenheim. Zusätzlich zu meinen Routineaufgaben war ich in den letzten drei Monaten intensiv mit der Organisation und Durchführung meines Projekts beschäftigt, was mir viele Überstunden, aber vor allem jede Menge Spaß bereitete.

Die Idee, eine Schreibwerkstatt mit anschließender Lesebühne zu veranstalten, hatte sich schon nach wenigen Wochen in meinem Kopf eingenistet. Ich wollte schreibbegeisterten Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihre Schreibfähigkeiten zu erweitern, Tipps von Profis zu erhalten, sich untereinander auszutauschen und ihre Texte öffentlich vor Publikum vorzutragen.

Ein riesiger Glückstreffer war hierbei Arwed Vogel, ein Münchner Volkshochschullehrer und Autor, der des Öfteren kreative Schreibprojekte mit Schulklassen durchführt. Ich erzählte ihm von meiner Idee und er war sofort bereit dazu, die Schreibwerkstatt in unserer Bibliothek zu leiten.

schreibwerkstatt_flyer

Flyer für die Schreibwerkstatt

Was jetzt noch fehlte, waren die Teilnehmer. Ich hatte mich bereits darauf eingestellt, dass es wohl nicht so einfach werden würde, viele Interessenten zu finden und rechnete trotz umfangreicher Bewerbung des Projekts mit wenigen Interessenten. Umso überraschter war ich, als so viele Anmeldungen dahergeflogen kamen, dass ich zuletzt sogar eine Warteliste anlegen musste.

Und dann hieß es noch: Namensschilder und Teilnehmerlisten ausdrucken, Leckereien für Pausen während der Schreibwerkstatt besorgen, eine sinnvolle Anordnung der Tische und Stühle für die Veranstaltung überlegen…

Schreibwerkstatt: Stifte, Worte und Kreativität

Schließlich war es soweit. Nach einer kurzen Begrüßung meinerseits war ich froh, das Wort an Herrn Vogel abgeben zu können, der die Schreibwerkstatt souverän und gut durchdacht leitete. An zwei Nachmittagen besprach er mit den Teilnehmern im Alter zwischen 13 und 18 Jahren den Grobaufbau einer Handlung, spannende Einstiege, die authentische Gestaltung von Protagonisten und Dialogen sowie die Überwindung von Schreibblockaden und verband dies mit kreativen Schreibübungen. Auch zu mitgebrachten Texten bekamen die jungen Autoren ein hilfreiches Feedback und wertvolle Tipps von Herrn Vogel und den anderen Teilnehmern.


schreibwerkstatt_arwed_vogel

Arwed Vogel leitet die Schreibwerkstatt

Am Ende der beiden Treffen voller Stifte, Worte und Kreativität machte ich die Werkstattteilnehmer auf die geplante Lesebühne mit Musik aufmerksam. Neun der Jugendlichen hatten Zeit und Lust, im Rahmen dieser Abendveranstaltung einen ihrer Texte vor Publikum vorzutragen.

Leseabend: Fantasy, Kaiser Franz Joseph und Hard Rock

Zwischen Schreibwerkstatt und Lesebühne waren noch sechs Wochen Zeit. Eine passende Band zu finden, stellte sich als nicht ganz so einfach heraus. Trotz anfänglicher Skepsis bezüglich ihres Musikstils in Kombination mit den Texten der Jugendlichen, engagierte ich schließlich Herrin Schmidt, eine Coverband im Bereich Rock und Hard Rock aus der Rosenheimer Region.

Ein weiteres Problem bereitete die Suche nach Sponsorengeschenken. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, jedem Teilnehmer am Ende des Abends eine Kleinigkeit zu schenken. Und so begann ich zu telefonieren. Und E-Mails zu schreiben. Und noch mehr zu telefonieren. Buchhandlungen, Cafés, Kinos, Schwimmbäder. Der Aufwand war groß, doch das Ergebnis ließ sich sehen: Jeder Teilnehmer würde nach seinem Auftritt ein Buch und einen Gutschein bekommen.

Am Abend der Veranstaltung war ich sehr aufgeregt. Doch all meine Sorgen waren unbegründet. Fast 60 Zuschauer waren da, gespannt auf die Texte der Vorleser. Und die Texte waren wirklich gut! Von Fantasygeschichten mit Zauberern und Elfen über Erzählungen zur Frage nach dem Sinn des Lebens bis hin zu skurrilen Begegnungen mit Kaiser Franz Joseph oder verspäteten Zügen war alles dabei. Auch die Band fand großen Anklang beim Publikum und schuf einen angenehmen Kontrast zum Gelesenen.

Alles in allem war der Abend also ein voller Erfolg – für die Band, für die Stadtbibliothek, für mich, vor allem aber für die Vorleser. Eine Teilnehmerin kam am Ende der Veranstaltung überglücklich zu mir und bedankte sich dafür, dass sie mitmachen durfte. Sie habe so viel gelernt und sei jetzt mehr denn je davon überzeugt, Schriftstellerin zu werden. Ich muss zugeben, dass mich das schon ein bisschen stolz machte.

Ausblick
Schreibwerkstatt und Lesebühne werden schon im kommenden Herbst von einer Kollegin fortgesetzt. Vielleicht werde ich dann als Teilnehmerin dabei sein?