Eine Gemeinschaft, die niemanden ausgrenzt

Brief eines Freiwilligen an die anderen Freiwilligen am Endes des FSJ Kultur 10/11

Was ist in einem Jahr FSJ Kultur hängen geblieben?

Jeder von uns wird diese Frage anders beantworten. Jeder von uns hat andere Erfahrungen gemacht, jeder von uns komplett andere Dinge erlebt und gelernt. Das Wichtigste, was ich gelernt habe, erkenne ich erst jetzt, ganz am Ende.

Wir als FSJ-Kulturler sind eine sehr seltsame Truppe. Menschen mit unterschiedlichsten Meinungen, Motivationen und Talenten. Wir kannten uns kaum oder nur einige wenige ein bisschen. Aber dennoch waren wir nach dem ersten Tag des ersten Seminars eine Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die niemanden ausgrenzt, eine Gemeinschaft, die zwar Grüppchen bildet, aber sich diese nicht voneinander abgrenzen. Eine Gemeinschaft in der es aber eines von Anfang an nicht gab, böses Blut.

Das, was für mich das Wichtigste während meiner FSJ-Zeit war, war nicht die Arbeit, weder die Workshops noch die Seminare an sich, sondern IHR. Denn ich durfte etwas kennenlernen, was ich so vorher nicht kannte. Egal, wie seltsam die einzelnen erschienen, oder wie bescheuert der einzelne auch sein mochte, er wurde so akzeptiert wie er war oder ist. Diese grundlegende Akzeptanz ermöglichte es für mich erst so zu sein wie ich bin, leicht bescheuert, aber eigentlich ganz nett.

Denn wenn man weder den Spott noch den Hohn fürchten muss, wenn es keinerlei Erwartungen gibt, die man enttäuschen könnte, verliert man die Angst davor sich zu blamieren und traut sich erst, so wirklich man selbst zu sein.

Wir sprechen oft von Toleranz, doch üben wir sie selten. Ich frage mich oft, ob ich andere frei von Vorurteilen behandle. Wirklich mit Sicherheit konnte ich das weder verneinen noch bejahen. Erst seitdem ich diese Gemeinschaft hier erlebt habe, weiß ich was Toleranz wirklich bedeutet.

Zu Hause haften an mir Hunderte Vorurteile, die es hier nicht gab und nicht gibt. Klar haben alle eine Meinung über andere, sie behandeln einander, aber dennoch mit dem gebührenden Respekt, der Wertschätzung, die jeder, egal ob schüchtern, verrückt oder grenzdebil, verdient.

Für mich war das Jahr im FSJ Kultur ein Jahr mit EUCH, ein Jahr das ich bei weitem nicht entsprechend gewürdigt habe, wie ich das im Nachhinein gern getan hätte. Ich war viel zu inaktiv, viel zu selten auf den Stammtischen, viel zu selten auf den Treffen.

Abschied und Neuanfang

Für mich war der Abschied im September mit Beginn des FSJ Kultur, denn das war der Abschied aus meinem alten Leben. Der Neuanfang war für mich das erste Seminar, auch wenn mir das erst jetzt langsam klar wird.

Ich wünsche EUCH allen bei allem was ihr plant, vorhabt zu machen oder bereits tut, viel Erfolg.