Europa musikalisch im Blick

Darja Gleinser, Freiwillige 10/11 bei der Europäischen Union der Musikwettbewerbe für die Jugend e.V. (EMCY) in München

Als baden-württembergische Abiturientin kam ich im September 2010 nach München, mit dem vorrangigen Ziel eine Pause zwischen Abitur und Studium einzulegen und mir vor allem erst einmal darüber klar zu werden, was ich eigentlich die nächsten Jahre tun wollte. Auf das FSJ Kultur stieß ich eher durch Zufall, aber es sprach mich sofort an und entsprach sehr dem was ich mir für dieses „Gap-year“ vorstellen konnte.

Netzwerk für die Musik

Meine Wirkungsstätte in diesem Jahr war das Generalsekretariat in der Geschäftsstelle des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“, ein Büro von ca. 20 qm, das das Herzstück dieses europäischen Netzwerks für internationale Jugendmusikwettbewerbe im klassischen Bereich ist. Eines der Hauptziele ist die Weiterförderung der Preisträger der Mitgliedswettbewerbe. Das Team bestand aus der General Secretary, einer Engländerin und mir, sowie zeitweise einer Freiwilligen aus Estland (im europäischen Freiwilligendienst) und einer russischen Praktikantin.

Meine Aufgaben, die anfangs v.a. aus dem Kontakt zu den Mitgliedswettbewerben und der Aktualisierung der Homepage bestanden, wurden im Laufe des Jahres immer vielfältiger und umfangreicher: von der protokollarischen Assistenz bei Vorstandssitzungen (in Barcelona und München) bis zur inhaltlichen (Mit-)Gestaltung einiger Workshops bei der EMCY-Konferenz für Internationale Jugendmusikwettbwerbe in St. Petersburg im Juni 2011.

Darüber hinaus bereitete ich „mein“ Projekt vor: eine kammermusikalische Tour durch Bayern und Österreich, die vier unserer Preisträger mit einbezog und damit eine Anschlussfördermaßnahme für die jungen Musiker war. Die Durchführung erwies sich als spannend und gleichzeitig sehr herausfordernd und zeigte deutlich die Grenzen der planerischen Tätigkeit im Vorfeld auf echtes Projektmanagement eben.

Arbeit mit Auswirkungen
Gleichzeitig war es auch einfach eine tolle Zeit mit vielen neuen Erfahrungen: Ich durfte einen tiefgehenden Einblick in die europäischen Zusammenhänge wagen, in die Welt der klassischen Musikwettbewerbe, in Organisation, in Zeiteinteilung, in die Herausforderungen der Teamarbeit und darin, wie es ist, jeden Tag mehrere Stunden im Büro zu sitzen. Für mich persönlich war es sehr angenehm, eine Arbeit zu verrichten, die tatsächlich eine Veränderung bewirkte und nicht nur wie in der Schule in trockenen Examen endete.

Auch ein wichtiger und spannender Schritt war es, langsam vom reinen Konsumenten der Inhalte der EMCY zum Innenstehenden und Schaffenden der Belange zu werden, zum „harten“ Kern des Teams zu avancieren und irgendwie auch EMCY-Expertin zu sein. Die Arbeit als Identifikationsbezugspunkt, als eine kleine persönliche Nische.

Ab September 2011 werde ich European Studies in Maastricht studieren. Mit Sicherheit kann man sagen, dass die EMCY mit ihrem europäischen Bezug mich in diese Richtung gebracht hat, mir auch klar geworden ist, dass die reine Kulturarbeit, zumindest als Bachelorstudium, nichts für mich ist.

Hierzu hilfreich waren die Bildungstage in Potsdam, die ich im Rahmen des FSJ Kultur besuchen durfte und die mir den Studiengang Kulturarbeit näher gebracht haben. Diese Internationalität möchte ich nicht mehr missen ebensowenig wie die Anwendung der englischen Sprache; beides wird in diesem Studiengang gegeben sein.

Blickpunktwechsel FSJ Kultur
Das FSJ Kultur wäre nicht dasselbe ohne die vier Seminare. Diese insgesamt 22 Tage sind eine sehr außerordentliche Erfahrung, sind kreativ, tiefgründig und eine tolle Gruppenerfahrung, etwas ganz besonderes eben.

Fraglos empfehle ich das FSJ Kultur als eine Möglichkeit, sich radikal in etwas anderes zu stürzen und die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Fazit
Ein einmaliges, kontrastreiches, abwechslungsreiches Jahr zwischen Büro im eher tristen Neuaubing, teuren Restaurants in Barcelona, der russischen Botschaft, Konzerten in Niederbayern und Österreich zusammen mit einem jungen, internationalen Team und irgendwo zwischen Deutsch und Englisch und allen anderen europäischen Sprachen.