München-Tipps von einer, die es wissen muss

Erfahrungsbericht einer FSJ-Kultur-Freiwilligen aus dem Jahrgang 13/14

Liebe nachfolgende FSJ-Kultur-Freiwillige,
lieber nachfolgender FSJ-Kultur-Freiwilliger,

vielleicht liest du das hier erst, wenn du schon ein paar Monate in deiner Münchner FSJ-Einrichtung arbeitest, vielleicht bist du auch gerade erst in deinen ersten Arbeitstagen.
Ich möchte dir meine München-Erfahrungen mitgeben. Ein FSJ besteht eben nicht nur aus der FSJ-Stelle.

Ich bin Ende August in die bayerische Hauptstadt gezogen, in meine erste eigene kleine Wohnung und in eine riesige Metropole. Vielleicht ergeht es dir ähnlich, vielleicht wohnst du aber auch schon hier in München.

Egal, in welcher Situation du dich befindest:
Ich lade dich herzlich auf eine kulturelle Entdeckungsreise ein!

Vorab zwei ganz wichtige Tipps

1. Beantrage einen München-Pass !
Es ist mir unverständlich, wieso es manche FSJler in München nicht für nötig halten. Ich habe in meinen ersten zwei Monaten hier schon unglaublich viel damit sparen können. Es ist auch wirklich nicht schwer. Nimm deinen FSJ-Ausweis UND deinen FSJ-Vertrag UND ein Passbild von dir mit ins nächste Sozialbürgerhaus. Welche Vorteile du hast, wird unten klar.

2. Nutze deine Zeit!
Ja, ich weiß. Die Arbeit im FSJ ist manchmal auch stressig und um fünf Uhr möchte man eigentlich nur nach Hause. Versuche deinen inneren Schweinehund zu überwinden! Lerne neue Leute kennen, unternimm neue Dinge, lerne neue Sachen kennen. Sonst rostest du ein und dein Leben besteht nur aus Arbeit und zu Hause rumhängen.

Die Stadt

Manche Menschen erzählen mir, dass München ein Dorf sei. Bisher konnte ich das noch nicht gut nachvollziehen, eventuell braucht diese Feststellung auch noch ein bisschen Zeit. Dass das hier unten nicht der Norden Deutschlands ist, das merkt man und das kann man auch schwer leugnen. Die Menschen sind anders, die Atmosphäre ist anders.

Nimm dir die Zeit, München auf den Grund zu gehen. Mach einfach mal einen Spaziergang durch den Englischen Garten oder den Olympiapark. Lauf durch die Stadt und lass alles auf dich wirken. Ich habe in meinen ersten Tagen eine Random-Route-Fahrradtour gemacht und habe echt lange gebraucht, um wieder nach Hause zu finden. Aber es hat sich gelohnt! Munich in it´s pure.

Leute kennen lernen

Ich bin hierhin gezogen und kannte keinen. Wirklich gar keinen. Wie du sicher schon gemerkt hast, ist es schwierig Anschluss zu finden, wenn man nicht in einer Institution wie der Schule oder der Uni gelandet ist, wo einem zwangsläufig ganz viele Gleichaltrige über den Weg laufen, die alle socializen wollen, weil sie auch noch keinen kennen. Was also tun?

Meine ultimative Lösung war Facebook. Dort gibt es die Gruppen „Neu in München“, „Neu in München!“, „Social Cooking“, „Neu in München U24“ und noch viele mehr. Das große Hindernis ist: Man muss all seinen Mut zusammenkratzen und sich mit einem Haufen wildfremder Leute treffen. Außerdem sind da nicht besonders viele Gleichaltrige, um nicht zu sagen gar keine (ausgenommen die U24-Gruppe). Der Altersdurchschnitt liegt etwa bei 27, alles Studenten, Masterstudenten und Berufstätige.

Für mich am Anfang etwas komisch, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Gemeinsam wird gekocht, wir machen Barausflüge oder liegen an der Isar in der Sonne. Die Leute gehen ins Kino, in Konzerte, machen Spieleabende, eigentlich alles, was man sich nur vorstellen kann. Ein bisschen Vorsicht ist allerdings schon nötig – es sind immer Jäger und Sammler unterwegs (Tipp für Mädels).

Kultur

Melde dich bei Kulturraum als KulturGast an.
Du kannst deine Interessensgebiete angeben und per Telefon vereinbart ihr ein kulturelles Angebot, zu dem dukostenlose Karten an der Abendkasse bekommst, wenn du sie 30 Minuten vor Beginn abholst. Bedingung: München-Pass (als Kopie beilegen).

Musik

Die Generalproben der Münchner Philharmoniker sind kostenlos für München-Pass-Besitzer. Eine Stunde eher da sein, um einen guten Platz zu ergattern!

Konzerteinführungen sind auch super und sollte man unbedingt wahrnehmen, wenn man schon Geld für das Konzert ausgibt.

Angebote der Hochschule für Musik und Theater (Einsatzstelle im FSJ Kultur) sind meistens günstiger oder kostenfrei. Ich war mit der FSJlerin dort befreundet und hätte deswegen von ihr Karten bekommen können. Irgendwie kam es nie dazu.

Es gibt hier eine Menge Chöre und Orchester. Wenn du also ein Instrument spielst oder gerne singst ist für deine „Liga“ und deine Musikrichtung bestimmt etwas dabei.

Sport

Es gibt die Bladenights: Im Sommer werden jeden Montag bestimmte Autostrecken gesperrt. Da kann man sich kostenlos Inlineskaters ausleihen und diese Route entlangdüsen.

Nutze die Nähe zu den Bergen. Probiere Bergtouren aus oder lerne Ski fahren!

Es gibt hier riesige Kletterhallen!

Überall in München verstreut sind Parkanlagen. Und dann fließt da noch die Isar durch. Perfekt zum Joggen! Oder Baden.

Es gibt einen extra Isarradweg, nur für Fahrradfahrer, immer an der Isar entlang.

Theater/Oper

Für manche Vorstellungen der Bayerischen Staatsoper bekommt man eine günstigere Karte als Junges Publikum.

Es gibt oft Restkarten in allen möglichen Theaterhäusern. Früh genug da sein! Theatereinführungen sind oftmals spannend und hilfreich! Am Gärtnerplatz-Theater kosten Restkarten mit dem München-Pass zum Beispiel nur 8 Euro.

Volkshochschule

Unfassbar großes Angebot. Da ist für jeden was dabei! Ich habe „Studium generale“ belegt, da sind aber wirklich nur alte Leute drin. Etwas besser ist da etwas wie „Einführung in die Kunstgeschichte“ o.Ä. Mit dem München-Pass 50% ab einer Kursgebühr von 20 Euro!

Dort kannst du auch viele neue Sachen ausprobieren. Von Yoga über Tänze bis hin zu einer neuen Sprache.

Festivals

Fast jedes Wochenende läuft irgendwo ein Festival. Gut gefallen hat mir zum Beispiel das Street-Life-Festivalauf der Leopoldstraße. An einem Bauernmarktfest habe ich mich mal ziemlich durchprobiert und war sehr satt…Tollwood im Winter und Sommer kann ich sehr empfehlen!

Foodsharing

Foodsharing ist eine tolle Alternative zu Tafeln. Es wird explizit gesagt, dass das Essen, dass du dort von Leuten abholst oder an einem Fairteiler nicht für Hilfsbedürftige ist, sondern dass es um das Retten des Essens geht.

Ich habe dort oft Essen abgeholt, und man muss sich dabei überhaupt nicht schlecht vorkommen. Mal ganz abgesehen davon, dass man mit 320 Euro zu den Hilfsbedürftigen zählt…

Ich hoffe meine Anregungen helfen dir weiter!

Alles Liebe, deine Vorgängerin