Seminare im FSJ Kultur: „Ziemlich viel cooler als Klassenfahrten“

Bericht von Hannah Fröhler, Freiwillige 2013/14 am Deutschen Museum, München

Freitag, kurz vor 16.00 Uhr. Schnell bringe ich noch meinen Arbeitsplatz ein wenig in Ordnung: Alte Post-its wegwerfen, den Papierberg sortieren, Arbeitsutensilien in Schubladen verstauen. Ich verabschiede mich von meiner Einsatzstelle ins Wochenende und für eine Woche, nicht in den Urlaub, sondern ins Seminar.

Kein Urlaub, aber eine Auszeit

Kein Urlaub, aber eine Auszeit

Insgesamt gibt es in der Zeit des FSJ vier Seminare, von denen die eine Hälfte sechs und die andere hälfte fünf Tage lang dauern. Drei Seminare verbringt man in der jeweiligen Seminargruppe, in die man am Anfang des Jahres eingeteilt wurde. Und eins der Seminare, das dritte, führt tatsächlich alle 120 FSJ-Kultur-Freiwilligen Bayerns zusammen. Außerdem steht jedes Seminar unter einem bestimmten Motto.

Die Seminarwochen sind zwar als Teil der 25 Bildungstage verpflichtend und rechtfertigen den Anspruch des FSJs, ein Bildungsjahr zu sein. Sie gelten aber auch als Arbeitszeit, und die Kosten für Verpflegung, Unterkunft etc. werden vom Träger, der BAG Spielmobile, übernommen.

Natürlich aber ist ein Seminar keine unangenehme Pflicht, sondern vor allem eine spannende, superabwechslungsreiche Zeit. Vor Antritt des ersten Seminars konnte ich mir kaum vorstellen, wie ein Seminar ablaufen könnte. Zwar hatte ich natürlich an den obligatorischen Klassenfahrten und auch an SMV-Seminaren teilgenommen, aber ob das tatsächlich vergleichbar wäre? Um es vorweg zu nehmen: Nein, ist es nicht. FSJ-Seminare sind ziemlich viel cooler!

Unterschiede zu einer Klassenfahrt

Zum einen werden die Wochen von der Seminarleitung, die uns nicht nur durch alle vier Seminare führt, sondern auch über das ganze Jahr begleitet, äußerst engagiert und liebevoll vorbereitet. Ein Seminarteam besteht im Kern aus einem/einer Koordinator_in und einer Seminarunterstützung. Dazu kommen noch die verschiedensten Workshopleiter_innen.

Zwischen den FSJlern und den Betreuern herrscht auch, anders als in der Schule, kein unangenehmes Lehrer-Schüler-Verhältnis. Zwar sprechen auch Seminarkoordinator_innen ein Machtwort, sollte es abends einmal zu laut werden, Leute ständig zu spät kommen oder die Spuren einer nächtlichen Feier nicht aufgeräumt werden, doch die meiste Zeit ist das Verhältnis entspannt und lässig. Alle sind ja freiwillig da und wollen das Beste daraus machen.

Workshops, Themeninseln und Mitgestaltung

Zum anderen merkt man, mit welchem Einsatz und Aufwand die Seminare, genau auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden ausgerichtet und vorbereitet sind. Bei jedem Seminar gibt es für jeden FSJler das richtige Angebot.

Während im ersten Seminar das Kennenlernen im Vordergrund steht, gibt es beim zweiten und dritten – dem Gesamtseminar – die verschiedensten Workshops zur Auswahl: Man kann dort etwas Neues ausprobieren oder Fertigkeiten vertiefen und in jedem Fall Spaß haben: Nähen, Poetry slamen, filmen, Masken basteln, Zukunftsvisionen haben, fotografieren, schreiben, schnitzen, Bogen schießen.

Wesentlich bei den Seminaren ist aber vor allem die Mitgestaltung durch die Freiwilligen selbst: Themeninseln und Abendgestaltung vorbereiten, das Seminar dokumentieren und natürlich aufgeschlossen (auch an den vielen Blödeleien) teilnehmen.

Zeit, Raum und offene Ohren

Das große Geschenk der Seminare an die Freiwilligen aber ist die Zeit: die Zeit, die sie zusammen verbringen können, um sich kennenzulernen, um sich auszutauschen. Auch die Seminarbetreuer_innen haben immer Zeit und offene Ohren, wenn es um mögliche Probleme und Erlebnisse in der Einsatzstelle geht oder Schritte zur Zukunftsplanung ab gewägt werden.

Zwischen und während der geplanten Einheiten bleibt letzten Endes immer genügend Raum, sich zu unterhalten, zu lachen, zu feiern – auch wenn dafür die Abende ordentlich ausgedehnt werden müssen, damit man all die verschiedenen Leute, die im Seminar aufeinander treffen, richtig gut kennenlernt.

Montag, kurz vor 9.00 Uhr. Ich sperre meine Bürotür wieder auf. Alles ist so, wie ich es vor gut einer Woche verlassen habe: Liegengelassene Arbeit, E-Mails, neue Aufgaben. Das alles kann man jetzt mit ganz anderen Eindrücken erledigen.

Anstrengend, aber vor allem spannend, lustig, anregend, lehrreich: Seminarzeit ist die beste Zeit!